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12.11.2016

Die Preisträger des 30. Internationalen Filmfestival Braunschweigs

+++ Die „Europa“ für Brendan Gleeson +++ Publikumspreis “Der Heinrich“ für „The Paradise Suite“ von Joost van Ginkel +++ Deutsch-französischer Jugendpreis KINEMA an „A Taste of Ink“ von Morgan Simon +++ Filmkomponist Patrick Doyle mit „Weißem Löwen“ geehrt +++ „Schwarzer Löwe“ an „Lantouri“ von Reza Dormishian +++ „Dexit“ gewinnt „Die Goldenen Vier Linden“

Sechs Preise vergibt das 30. Internationale Filmfestival Braunschweig am heutigen Abend, drei davon zum ersten Mal. Der Hauptpreis des Festivals, die „Europa“, geht an Brendan Gleeson. Das Festival ehrt den irischen Schauspieler für seine herausragenden darstellerischen Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkultur. Den mit 15.000 Euro dotierten Preis stiftet Volkswagen Financial Services.

Den Publikumswettbewerb um den „Heinrich“, den Preis für den besten europäischen Debüt- oder Zweitfilm, gewinnt die niederländisch-schwedisch-bulgarische Produktion „The Paradise Suite“ (Verleih: Media Luna New Films). Regisseur Joost van Ginkels Drama um sechs Menschen aus sechs Ländern deren Wege sich in Amsterdam kreuzen, lief in Braunschweig als deutsche Erstaufführung. Den mit 10.000 Euro dotierten Preis stiftet der Hauptsponsor des Festivals Volkswagen Financial Services. Im Wettbewerb standen zehn Filme, davon neun deutsche Erstaufführungen.

Der deutsch-französische Jugendpreis KINEMA geht an „A Taste of Ink“ von Regisseur Morgan Simon. Das Vater-Sohn-Drama  (Verleih: Versatile) feierte in Braunschweig seine Deutschland-Premiere. Den Preis mit einem Preisgeld von 2.000 Euro vergab eine junge Jury aus zwei Deutschen und drei Franzosen im Alter von 16 bis 17 Jahren. Der KINEMA-Jugendpreis wird gefördert vom Deutsch-Franzöischen Jugendwerk, dem Land Niedersachsen, der Friedrich Walz-Stiftung, der Region Normandie, der Académie de Rouen und der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg.

Zwei neue Löwen und „Vier Goldene Linden“
Der Filmkomponist Patrick Doyle ist der erste Preisträger des „Weißen Löwen“. Das Festival vergibt den neuen Preis für das Lebenswerk eines bedeutenden zeitgenössischen Filmkomponisten. Dem schottischen Komponisten widmete das Festival die Retrospektive der Reihe „Musik & Film“ mit acht seiner Filme aus den Jahren 1989 bis 2015. Darüber hinaus präsentiert Doyle die deutsche Erstaufführung des Stummfilmkonzerts „It – Das gewisse Etwas“, eine Liebeskomödie von Clarence Badger aus dem Jahre 1927.

Neu ist auch der „Schwarze Löwe“ für den besten Film der „Beyond“-Reihe. Die Reihe ist einem aufregenden neuen Kino gewidmet, das visuell oder thematisch Risiken eingeht, Experimente wagt und neue filmsprachliche Tendenzen aufzeigt.

Erster Preisträger des „Schwarzen Löwen“ ist der iranische Film „Lantouri“ (Verleih: Iranian Independents) von Regisseur Reza Dormishian. Die dreiköpfige Jury mit der russischen Regisseurin und Produzentin Lika Alekseeva, der deutschen Produzentin Andrea Staerke und dem deutschen Regisseur und Produzent Huan Vu wählte die iranische Robin-Hood-Story aus acht internationalen Produktionen aus. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert. Er wird ermöglicht von Volkswagen Financial Services.

Der dritte neue Preis „Die Goldenen Vier Linden“ für den besten Film der „Heimspiel“-Reihe geht an „Dexit – Der nächste Flüchtling bist du“. Die Jury mit Cinestrange-Leiter Marc Fehse, Leon Kluth vom Braunschweiger Sommerkino und Bloggerin Stefanie Krause von  kult-tour-bs.de entschied sich für das dystopische Drama von Regisseur Lars Jordan, das in Braunschweig seine Weltpremiere erlebte. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.


Die Gewinnerfilme:

Der Publikumswettbewerb um den „Heinrich“, den Preis für den besten europäischen Debüt- oder Zweitfilm:
„The Paradise Suite“
Niederlande, Schweden, Bulgarien 2015, 122 Min., Farbe, DCP, OmdU
Regie & Buch: Joost van Ginkel
Kamera: Andreas Lennartsson FSF
Schnitt: Bob Soetekouw, Teun Rietveld,
Wouter van Luijn, Joost van Ginkel
Musik: Bram Meindersma, Alexander Doychev
Sound: Antoin Cox
Darsteller: Issaka Sawadogo, Jasna Djuricic, Magnus Krepper, Anjela Nedyalkova, Boris Isakovic, Erik Adelow
Produktion: Ellen Havenith, Jeroen Beker
Verleih: Media Luna New Films
Amsterdam – hier kreuzen sich die Schicksale mehrerer Menschen, die es aus den unterschiedlichsten Gründen in die niederländische Hauptstadt verschlagen hat: Die junge Bulgarin Jenya, deren Trip in den Westen so komplett anders ist als erwartet oder Yaya aus Afrika, der sich irgendwie durchschlagt. Ein serbischer Kriegsverbrecher wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Diese wiederum lasst die Bosnierin Seka, die auf Rache schwört, nie los. Und dann ist da noch der kleine Klaviervirtuose Lukas aus Schweden. Fantastisches Schauspielerensemble und eine meisterhaft verwobene Story, die bis zur letzten Minute fesselt und zeigt, in welcher  zum Teil skrupellosen Gesellschaft wir leben.

Der deutsch-französische Jugendpreis KINEMA
„A Taste of Ink“ (OT: Compte tes blessures)
Frankreich 2016, 80 Min., OmdU
Regie & Buch: Morgan Simon
Kamera: Julien Poupard
Musik: Selim Aymard, Julien Krug
Sound: Mathieu Villien
Darsteller: Kevin Azais, Monia Chokri, Nathan Willcocks
Produktion: Jean-Christophe Reymond, Amaury Ovise
Verleih: Versatile
„I’ve lost my head. I’m so afraid. I’ve lost my head. I’m lost. Can someone take me away?” schreit Vincent als Sanger einer Hardcore-Punk-Band ins Mikro. Für seinen Vater ist Vincent eine Enttäuschung. Er ist Mitte Zwanzig, sein Körper von Tattoos übersät, er schlagt sich mit einem tristen Job als Piercer durch, hat kein Geld um von Zuhause auszuziehen und den Tod seiner kürzlich verstorbenen Mutter noch nicht verkraftet. Als sein Vater wieder anfängt, eine viel jüngere Frau zu daten, bahnt sich ein Gefühlschaos an allen Fronten an. Ihre Suche nach Liebe und Anerkennung macht die beiden Männer zu Rivalen. Intelligentes Vater-Sohn-Drama um einen zerrissenen Jugendlichen und seinen lethargischen Vater.

„Schwarze Löwe“ für den besten Film der „Beyond“-Reihe
„Lantouri“

Iran 2016, 115 Min., OmeU
Regie,Buch, Produktion: Reza Dormishian
Kamera: Ashkan Ashkani
Musik: Kayhan Kalhor
Sound: Saied Bojnoordi
Darsteller: Reza Dormishian
Verleih: Iranian Independents
Innovativ erzählter Film aus dem Iran: Eine Robin-Hood-Story, die sich in eine Geschichte über verschmähte Liebe, Rache, Schuld und Vergebung wandelt. Zu Beginn  ahnt man sich in einem Dokumentarfilm, der allen Seiten gerecht werden will: Mitglieder der Straßengang Lantouri gestehen Überfalle und Erpressungen, die sich gegen reiche Profiteure des Systems richten. Dann ruckt Pasha und seine Obsession für Maryam in den Mittelpunkt. Maryam ist eine Aktivistin, die die Kampagne NO TO VIOLENCE leitet. Da sie Pasha nicht erhört, überschüttet er Maryam mit Saure und sie verliert ihr Augenlicht. Nach der Verhaftung der Bande soll sie nach iranischem Recht Rache üben. Wie wird sie sich entscheiden?

„Die Goldenen Vier Linden“ für den besten Film der „Heimspiel“-Reihe
„Dexit – Der nächste Flüchtling bist du“
Deutschland 2016, 126 Min., dt.
Regie & Buch: Lars Jordan
Kamera: Ignacio Hennigs
Musik: Lars Jordan, DJ Baby Tiger u.a.
Darsteller: Jarah- Maria Anders, Marcel A. Heizmann, Kristina Kostiv
Produktion: LowDefinitionFilms
Die nahe Zukunft: Deutschland ist von einer schweren Krise erschüttert. Lisa, Agatha, Fahrer Ronny und Hund Trojo bilden eine Fahrgemeinschaft in einem Kleinbus, als aus unbekannten Gründen alle Kommunikationsnetze zusammenbrechen. Nachdem sie von einer Tankstelle gewaltsam vertrieben wurden geht ihnen am folgenden Tag der Treibstoff  aus – sie müssen zu Fuß weiter, orientierungslos und nur mit ein paar Nahrungsmitteln in Plastiktuten.
Gejagt von einer feindseligen Landbevölkerung verstecken sie sich in den Wäldern, innerhalb von Stunden sind sie von Reisenden zu Fluchtlingen im eigenen Land mutiert. Nicht alle aus der Gruppe überleben diesen Auftakt eines Bürgerkrieges...

Das Internationale Filmfestival Braunschweig wird unterstützt von:
- Volkswagen Financial Services
- nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen mbH
- Land Niedersachsen
- Norddeutscher Rundfunk
- EU Creative Europe
- Stadt Braunschweig

© Moritz Küstner