Vom 2.-4. tagte der Bundeskongress des Bundesverbands "Kommunale Filmarbeit e.V.", in dem das filmfest seit vielen Jahren Mitglied ist, im Braunschweiger UNIVERSUM Filmtheater und der Hochschule für Bildende Künste. Willi Karow schrieb für den Rundbrief des Film- und Medienbüros Niedersachsen einen Bericht über die Tagung, den wir hier gerne vorab veröffentlichen.
Jahrestagung der Kommunalen Kinos in Braunschweig
Über kurz oder lang betrifft die Digitalisierung, und das ist unumgänglich, auch die Kommunalen Kinos. Darüber waren sich die Teilnehmer der Jahrestagung der Kommunalen Kinos einig, die unter dem Motto „Kino erfindet sich…“ diesmal in Braunschweig, sowohl im Kino Universum wie in der HBK, stattfand. Obgleich der Aspekt der Digitalisierung nur einer unter mehreren war, war er doch unterschwellig die ganze Zeit über virulent – in seiner ganzen Ambivalenz, nämlich als beides: als Chance und als Bedrohung. Drei Intentionen, die sich durchaus überschnitten, verfolgte die (gut vorbereitete und auch gut besuchte) Tagung: Information – Weiterbildung – Gedankenaustausch. Dem entsprachen Vorträge, Filmvorführungen, Gesprächsrunden. Informativ waren die Einlassungen von Frank Völkert und Eva Matlok, beide FFA, die die Kokis dazu ermunterten, (zwecks Digitalisierung) Anträge an die FFA zu stellen, was den Kommunalen Kinos ja erst seit kurzem möglich ist. Freilich wurde auch deutlich, dass in den Genuss einer Förderung nur die so genannten Kriterienkinos kommen können. Das ist nun keineswegs das Gros der Kokis. Die vielen kleineren Initiativen bleiben außen vor. Sie haben das Nachsehen und werden wohl abgehängt werden, wenn sich auf politischer Ebene nicht doch noch etwas tut. Um die technischen Belange ging es ebenfalls. Volker Kufahl vom Kino Universum stellte seine 1,9K-Anlage vor. Es wurde diskutiert, ob sie genügt, ob nicht doch das 2K-System das sinnvollere ist. Was kostet was, auch an Folgekosten? Was ist geeignet für welche Säle welcher Größe? Fragen, die Gunter Oehme als Planer für Kinotechnik und Akustik zwar kompetent beantworten, aber doch keineswegs entscheiden konnte.
Fortbildung boten die Vorträge von Heike Klippel (Professorin an der HBK Braunschweig) über Programmgestaltung und Professor Nohr (ebenfalls HBK) über Ähnlichkeiten und Unterschiede von (Mainstream-)Kino und Game. Alexander Horwath stellte das Österreichische Filmmuseum vor, dessen Direktor er ist. Er hatte vier Filmprogramme zusammengestellt, darunter der Film „Blind Husbands“ von Erich von Strohheim (1919), vor Ort am Klavier von Günter A. Buchwald begleitet. Laut Horwath hat ein Filmmuseum die Aufgabe, das Filmerbe zu sichten, zu bewahren und zur Verfügung zu stellen. Ein Film, der nicht gesehen werden könne, existiere nicht – eine Ansicht, die zu akzeptieren anderen Filmarchiven durchaus noch schwer fällt.
Das Filmerbe den Zuschauern von heute zu vermitteln ist ja auch eine der genuinen Aufgaben Kommunaler Kinos, und das nach Möglichkeit originalgetreu: als Film, nicht auf DVD, und im richtigen Format. Und hier zeigt sich die Ambivalenz gegenüber den digitalen Systemen erneut in aller Deutlichkeit: Wird es durch die Digitalisierung nicht unmöglich werden, das kulturelle Filmerbe demnächst noch adäquat darzustellen? Droht vielleicht gar die Auslöschung dieses Erbes überhaupt? Aber eine Digitalisierung ist ja unumstößlich. Also wird ein Kommunales Kino beides sein müssen und wollen: traditionelle Abspielstätte und digitalisierte Leinwand. Ein Kino, das alle Formate zeigen kann, ein Hybridkino. Das zu werden (und es finanziell auch zu stemmen) dürfte alles andere als leicht sein. So mündete die Tagung denn konsequenterweise in die Gründung einer Arbeitsgruppe, die Vorschläge für ein „Hybridkino als Zukunftsmodell kultureller Filmarbeit“ ausarbeiten und unterbreiten will.
Text: Willi Karow
Fotos: Tom Blume