Die Preisträger des 24. Internationalen Filmfests Braunschweig
Die belgisch-luxemburgisch-französische Produktion „Illegal“ gewinnt den „Heinrich“, den Publikumspreis des 24. Internationalen Filmfests Braunschweig. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis für europäische Debüt- und Zweitfilme geht zu gleichen Teilen an den Regisseur Olivier Masset-Depasse und einen deutschen Verleih. Rechteinhaber für Deutschland ist die Telepool GmbH in München. Das Preisgeld stiftet der Filmfest-Hauptsponsor Volkswagen Financial Services AG.
Der Kurzfilmmusikpreis „Der Leo“ geht an den deutschen Film „Loom“ von Ilija Brunck, Jan Bitzer, Csaba Letay (Regie) und Joel Corelitz/Waveplant (Sounddesign). Die Computeranimation wurde von der Jury mit Filmkomponist Christian Heyne, Regisseur Marco Mittelstaedt, Music Supervisor Pia Hoffmann sowie dem arte-Film- und Musikredakteur Thomas Neuhauser ausgewählt. Den mit 2.000 Euro dotierten Preis unterstützt die Stiftung Braunschweiger Land.
Aus der Begründung der Jury: „Durch das Sounddesign entsteht in dem Film „Loom“ eine ganz eigenständige Klangwelt. Diese löst sich jedoch nicht vom Film, oder liegt darüber - sondern zieht den Zuschauer mit einer soghaften Wirkung direkt in das Geschehen der Geschichte. Facettenreich bedient das Sounddesign sowohl wuchtige Momente wie den Überlebenskampf der Motte als auch die filigranen Details des Spinnennetzes.“
Zum vierten Mal wurde der Deutsch-Französische Jugendpreis KINEMA von einer sechsköpfigen Jugendjury verliehen. Unter dem Vorsitz des Regisseurs Sebastian Winkels („7 Brüder“) wählten die jungen Juroren die kanadische Produktion „J’ai tué ma mère“ (I killed my mother) von Regisseur Xavier Dolan. Dolan gewinnt eine 35mm-Einzelserienkopie mit deutschen Untertiteln für den Festival- und Kinoeinsatz.
„Eine Mutter-Sohn-Beziehung, die sowohl mit Sensibilität als auch mit Besessenheit ausgeleuchtet wird, ist das Thema von Xavier Dolans außergewöhnlichem Film, der uns in den Wirbel der heftigen und widersprüchlichen Gefühle der Adoleszenz zieht. Die Sequenzen im Stil eines Malers zeugen von einer großen Kreativität, die in den Dienst eines kinematographischen Feuerwerks gestellt wird.“ So lautet das Urteil der Jury, die sich aus jeweils drei französischen und drei deutschen Jugendlichen zusammensetzte.
Den Hauptpreis des Festivals, den mit 10.000 Euro dotierten Preis „Die Europa“, erhielt der Schauspieler Stellan Skarsgård. Das Filmfest zeichnete den Schweden für seine herausragenden darstellerischen Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkultur aus. Den Preis stiftet der Filmfest-Hauptsponsor, die Volkswagen Financial Services AG.
Die Preisverleihung findet statt am Sonntag 14.11. um 19:00 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig.
Filmographische Angaben:
„Der Heinrich“: Illegal (Illégal)
Belgien/Luxemburg/Frankreich 2010, 95 Min., OmeU
Regie & Buch: Olivier Masset-Depasse
Kamera: Tommaso Fiorilli
Schnitt: Damien Keyeux
Musik: Lingo
Darsteller: Anne Coesens, Essé Lawson, Christelle Cornil
Produktion: Versus production
Verleih: Telepool
Inhalt: Tania und ihr 14-jähriger Sohn Ivan sind Russen. Sie leben seit acht Jahren ohne Papiere in Belgien, versuchen aber, ein geregeltes Leben mit Arbeit, Schule und Geburtstagsfeier zu führen. Obwohl sie immer auf der Hut ist, wird Tania bei einer Kontrolle verhaftet und kommt in Abschiebehaft, während Ivan gerade noch entkommt. Um ihren Sohn zu schätzen, ist die verzweifelte Tania zu allem bereit. ILLEGAL ist zum einen ein Psychothriller, der die Zuschauer fast körperlich mit der Einsamkeit und der Angst in der Haft konfrontiert, und zum anderen das Porträt einer Mutter. Auch dank seiner großartigen Hauptdarstellerin ein intensiver Film über eine bedrückende europäische Realität.