Mit einem echten Heimspiel startete das 23. Internationale Filmfest Braunschweig: „66/67 – Fairplay war gestern“. Die nordmedia-geförderte Produktion über sechs Hooligans des Fanclubs „66/67“ war im Sommer 2008 vor Ort gedreht worden. Die beiden Regisseure Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser brachten ein großes Team mit Christoph Bach, Maxim Mehmet, Christian Ahlers u.a., zur „einzig wahren Premiere“, wie Glaser, der gebürtige Braunschweiger, betonte.
Mit einer Welturaufführung kehrte Hanna Schygulla zum Filmfest zurück. 2007 war sie mit der „Europa“, dem europäischen Schauspielpreis, ausgezeichnet worden. Damals hatte sie angekündigt, das Preisgeld in eine Kamera zu investieren und den fertigen Film in Braunschweig zu zeigen. Nun präsentierte sie im ausverkauften Universum-Kino ihre erste Regiearbeit „Alicia Bustamante“, ein Porträt ihrer kubanischen Freundin und Schauspielerin.
Der „European Actors Award“ dieses Jahres ging an den britischen Schauspieler John Hurt (69). Geehrt wurde er für seine herausragenden darstellerischen Leistungen und seine Verdienste um den europäischen Film. Produzent Jens Meurer von Egoli Tossell, der Hurts Film „Shooting Dogs“ produzierte, hielt eine ebenso persönliche wie humorvolle Laudatio.
Der Publikumspreis „Der Heinrich“ für europäische Debüt- und Zweitfilme ging nach Italien. „The Clown“ von Regisseur Marco Pontecorvo (Beta Film) heimste die meisten Stimmen und das Preisgeld von 10.000 Euro ein. Stellvertretend für ihn nahm Hauptdarstellerin Evita Ciri den Preis entgegen. Die Hälfte des Preisgeldes geht an einen deutschen Verleih, der den Film ins Kino bringt.
Den deutsch-französischen Jugendpreis KINEMA vergab die junge, zweisprachige Jury an das filmisch brillante, verstörende dänisch-französische Werk „Sois Sage“ (Be good) von Juliette Garcias (Trust Nordisk). Die Jury lobte den „künstlerisch raffinierter Film“ für seine „einfühlsame Art“ mit der er schwieriges Thema vermittle.
Den mit 2.000 Euro dotierten Kurzfilm-Musikpreis vergab die Jury um Filmkritikerin Andrea Dittgen und Komponistin Christine Aufderhaar an „Mama“ von Regisseur Géza M. Toth und Attila Pacsay (Musik, Sounddesign) aus Ungarn.
In der Reihe „Musik und Film“ präsentierte das Staatsorchester Braunschweig die frühe Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (1931) mit einer Musik des österreichischen Komponisten Florian C. Reithner.
Im Vorprogramm präsentierten die Teilnehmer des ersten filmmusikalischen Workshops “Create your own score!“ ihre Musik zu Axel Brötjes Kurzfilm “Kiss of the Scorpion”. In nur vier Tagen hatten die 20 Jugendlichen im Alter von 15-17 Jahren unter der Leitung des Komponisten Stephan von Bothmer einen neue Musik komponiert, eingeübt und zur Aufführung gebracht.
Im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig präsentierte „Traffic Quintet“ aus Paris ein von Filmkomponist Alexandre Desplat zusammengestelltes Programm mit Klassikern der Nouvelle Vague. Dem Franzosen war eine Werkschau gewidmet, die von „Un héro très discret“ (Regie: Jacques Audiard) aus dem 1996 bis zu seinem neusten Film „L’armée du crime“ (Regie: Robert Guédiguian) reichte.
Mit der Reihe „Vistas Latinas“ lenkte das Filmfest den Blick auf das zeitgenössische lateinamerikanische Kino. Sieben aktuelle Produktionen, darunter mehrere Premieren, gaben einen Einblick in die Welt- und Selbstbilder ihrer Regisseure und beeindrucken mit neuen ästhetischen Ausdrucksformen.
Die Reihe umfasste so unterschiedliche Produktionen wie das spirituelle Dokudrama „El regalo de la Pachamama“ („The Gift of Pachamama“) von Toshifumi Matsushita aus Bolivien, die vielfach ausgezeichnete peruanisch-argentinische Koproduktion „Dioses“ („Gods“) von Josué Méndez oder „Sin Nombre“ von Cary Joji Fukunaga aus Mexiko, der im März in die deutschen Kinos kommt. Von einer Entführung im kolumbianischen Bürgerkrieg berichtete „La Milagrosa“ („The Miraculous“), den Regisseur Rafael Lara in Braunschweig vorstellte.
Im Rahmen der „Vistas Latinas“ widmete sich eine Sonderreihe dem kubanischen Filminstitut ICAIC. Aus Anlass seines 50jährigen Bestehens hatte das filmfest gemeinsam mit Regisseurin Claudia von Alemann ein Programm aus aktuellen kubanischen Kurz- und Spielfilmen kuratiert.
„Cuba en cortos“, zeigten die beiden kubanischen Regisseurinnen Susana Barriga und Sandra Gómez ihre Kurzfilme „Patria“ und „El futuro es hoy“.
In der Reihe „Neue Deutsche Filme“ stellte u.a. Max Riemelt gemeinsam mit Regisseur Frieder Wittich ihren neuen Film „13 Semester“ vor. Florian Eichinger zeigte „Bergfest“ in Braunschweig. Zu den bestbesuchten Festivalfilmen gehörten Fatih Akins „Soul Kitchen“, Woody Allens „Whatever works“ und der Episodenfilm „New York, I love you“.
An sechs Tagen zeigte das Filmfest 165 Lang- und Kurzfilme. Zu den Filmvorführungen, Filmkonzerten, Workshops und einer Fotoausstellung kamen 22.000 Besucher.










