Der italienische Film „The Clown“ (Originaltitel „PA-RA-DA“) gewinnt den Publikumspreis „Der Heinrich“ des 23. Internationalen Filmfests Braunschweig. „The Clown“ von Regisseur Marco Ponteco beruht auf dem Leben des französischen Straßenclowns Miloud Oukili, der 1992 nach Bukarest reist und dort ein Zirkusprojekt mit Straßenkindern gründet. Der von der Volkswagen Financial Services AG mit 10.000 Euro dotierte Preis geht zu gleichen Teilen an die Regie und an einen deutschen Verleih, der den Film in die deutschen Kinos bringen möchte.
Der Deutsch-Französische Jugendpreis KINEMA geht an „Sois sage“ (internationaler Titel „Be Good“). Die dänisch-französische Produktion von Regisseurin Juliette Garcias ist die intensive Charakterstudie einer jungen Frau, die sich von ihrer ersten Liebe nicht lösen kann. Den Preis vergibt eine fünfköpfige Jugendjury aus beiden Ländern unter dem Vorsitz von Regisseur Michael Hofmann ("Eden"). Der Preis für deutsch- und französischsprachige Debütfilme steht unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Hanna Schygulla. Die Gewinnerin erhält eine 35mm-Kopie ihres Films mit deutschen Untertiteln für den weiteren Festivaleinsatz.Der Kurzfilm-Musikpreis
Der Kurzfilm-Musikpreis „Der Leo“ geht an den ungarischen Film „Mama“ von Regisseur Géza M. Toth mit Musik und Sounddesignvon Attila Pacsay. Die Jury bildeten Andrea Dittgen, Vorsitzende des Verbands der deutschen Filmkritik, Journalist Sven Ahnert und Komponistin Christine Aufderhaar. Das Preisgeld von 2.000 Euro des von der Stiftung Braunschweiger Land unterstützten Preises geht zu gleichen Teilen an den Regisseur und den Komponisten. Aus dem Urteil der Jury: „Die akustische Gestaltung übernimmt zum großen Teil die Rolle des Geschichte-Erzählens, so entsteht ein organisches Werk. Regie, Sounddesign und Komposition sind sensibel aufeinander abgestimmt“.
Den Hauptpreis des Filmfests, den europäischen Schauspielpreis „Die Europa“, erhält der britische Schauspieler John Hurt für seine herausragenden künstlerischen Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkunst. Das Preisgeld von 10.000 Euro stiftet der Hauptsponsor des Filmfests Volkswagen Financial Services AG.
Die Preisverleihung findet heute, Sonntag, 15. November im Großen des Staatstheaters Braunschweig statt.An sechs Tagen zeigte das Filmfest 165 Lang- und Kurzfilme. Zu den Filmvorführungen, Filmkonzerten, Workshops und einer Fotoausstellung kamen 22.000 Besucher.
Die Gewinnerfilme:
Publikumspreis DER HEINRICH für „The Clown“
Italien 2008
Regie: Marco Pontecorvo
Buch: Maco Pontecorvo, Roberto Tiraboschi
Kamera: Vincenzo Carpineta
Schnitt: Alessio Doglione
Musik: Andre Guerra
Darsteller: Jalil Lespert, Evita Ciri, Gabi Rauta
Produktion: Ute Leonhardt, Marco Valerio Pugini
Verleih: Beta Film
100 Min., 35mm, Farbe, OmdU
Deutsch-französischer Jugendpreis KINEMA für „Sois sage“ (Be Good)
Frankreich/Dänemark 2008
Regie & Buch: Juliette Garcias
Kamera: Julien Hirsch
Schnitt: Catherine Vilpoux
Musik: Kasper Windig, Kristian Eidnes Andersen, Schubert
Darsteller: Anaïs Demoustier, Bruno Todeschini, Nade Dieu
Produktion: Slot Machine
Verleih: Trust Nordisk
91 Min., 35mm, Farbe, OmU
Statement der Jury:
Man kann wohl kaum sagen, dass uns die Wahl leicht gefallen ist. Die Konkurrenz war stark und mit jedem weiteren der sechs Filme wurde klarer, dass wir lange diskutieren würden. Dennoch haben wir gute Gründe, den KINEMA-Preis an die Regisseurin des Films „Sois Sage“, Juliette Garcias, zu verleihen. Sämtliche Möglichkeiten, die die Filmgestaltung bietet – Bild und Ton – wurden in höchstem Maße ausgeschöpft. Dadurch hat der Film eine extrem bedrückende Atmosphäre erhalten, die den Zuschauer zweifeln lässt. Dies hat uns besonders gefallen. Das Thema des Films – Inzest, extremer Schmerz und eine seltsame Zärtlichkeit – ist sehr heikel und wird dennoch auf sehr sensible Art angegangen. Es ist ein Film, der beeindruckt, an dem man sich aber gleichzeitig stören kann. Der Film lässt Raum für persönliche Fragen und Interpretationen und hat Spuren bei uns hinterlassen. Es ist nicht nur ein Film, der sein Thema auf feinfühlige Art vermittelt, sondern darüber hinaus ein sehr künstlerisch raffinierter Film, der die KINEMA-Jury überzeugt hat.
Die Jury: Anke Bludau, Josephine Blume, Thomas Carrique, Lou Cecille, Claudia Kück
Kurzfilm-Musikpreis DER LEO für „Mama“
Ungarn 2009
von Géza M Toth, Musik: Attila Pacsay, Sounddesign: Imre Madacsi
Kamera: Mátyás Erdély
Ton: Imre Madacsi
Darsteller: Orsolya Török-Illyés
10:00 Min., 35mm, Farbe, o. Dialog
Die vollständige Begründung der Jury:
Eine junge Frau spannt auf dem Dach eines Hochhauses eine Wäscheleine auf und hängt ein Wäschestück nach dem anderen auf. Mit jedem Wäschestück zieht sie die Leine ein Stück weiter – gleichzeitig rücken die Nachbarhäuser im Hintergrund ebenfalls ruckartig weiter – bis sie wieder am Beginn der Leine ankommt. Alles ist mit starrer Kamera gefilmt und bewegt sich doch – wie bei den Tricks im Stummfilm.
Aus der anfangs konkreten lauten Stadtatmosphäre mit Autohupen, Gesprächsmusik, Straßenbahn, Babyschreien, Telefon und anderen Alltagsgeräuschen entwickelt sich ein rhythmisches Gebilde. Je mehr wir in die Welt der jungen Frau eintauchen, umso mehr verschwinden die rhythmisch aggressiven Geräusche. Allmählich eröffnet sich eine Welt, in der der Wohlklang mehr in den Vordergrund rückt. Als das Ende des Wäsche-Aufhängens naht, tritt ein kurzer Moment der Stille ein. Bis wieder Geräusche dominieren wie das heftige Atmen der Frau und auch die Straßengeräusche wieder zurückkehren. Somit schließt sich der Kreis. Das abwechslungsreiche Konzept von Musik, Sounddesign und Atmosphäre ist in sich stimmig und gut aufgebaut. Die akustische Gestaltung übernimmt zum großen Teil die Rolle des Geschichte-Erzählens, so entsteht ein organisches Werk. Regie, Sounddesign und Komposition sind sensibel aufeinander abgestimmt.Die Jury:
Sven Ahnert, Chrstine Aufderhaar, Andrea Dittgen




