Archiv 2009
Musik und Film - Alexandre Desplat
Theoretiker der Filmmusik unterscheiden gerne zwischen den Handwerkern Amerikas und den Stilisten Europas: Auf der einen
Seite Komponisten, die sich bereitwillig den Anforderungen ständig wechselnder Filmprodukte unterwerfen, und solchen, die auf
einer eigenen musikalischen Stimme beharren. Die Musik der ersteren würde vom Publikum im besten Falle gar nicht wahrgenommen,
die der letzteren etablierte eine eigenständige Wahrnehmungsebene innerhalb der Filme.
Der 1961 in Paris geborene Alexandre Desplat ist da eine rühmliche Ausnahme, denn er gehört weder in die eine noch in die andere
Kategorie, sondern dazwischen, was in diesem Fall eine Auszeichnung der besonderen Art ist, denn die stereotype Sichtweise trifft
natürlich nur selten zu: Diesseits wie jenseits des Atlantiks sind die Komponisten in der Lage, von Projekt zu Projekt ihren Stil und
die Prominenz ihrer Beiträge den jeweiligen Erfordernissen anzupassen. Niemand kann dies gegenwärtig besser als Alexandre Desplat,
denn er gehört zu den derzeit meist beschäftigten Filmkomponisten der Welt. Allein 2009 hat er neun Filme vertont, darunter so
unterschiedliche Streifen wie CHERI oder COCO CHANEL.
Dem daraus resultierendem Vorwurf des Zuviel ist sofort zu widersprechen, denn Desplats Vorgen hat raffinierte Methode, die gerade
bei kleineren Filmen wie DAS MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING deutlich zutage tritt: Sie sind nämlich im Grunde kleine verspielt
duftende Klangparfümspritzer, die mit kurzen rhythmischen und motivischen Bausteinen arbeiten und so ihre hypnotische Wirkung
erzielen. Auf diese Weise sind Desplat schon herausragende Leistungen gelungen: Die elegischen Klaviersoli in bester Bachmanier
von DER WILDE SCHLAG MEINES HERZENS wurden 2005 mit dem Silbernen Bären bei den Berliner Filmfestspielen ausgezeichnet.
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