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_Information: RealSurreal

(orig. _Information: RealSurreal)

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Die Neue Sachlichkeit auf der einen, der Surrealismus auf der anderen Seite suchten in den 1920er und `30er Jahren nach zeitgerechten Arten und Weisen der Welt Betrachtung, -Darstellung, -Widerspiegelung. Die einen strebten nach äußerlich wie kunstlos erscheinenden, tendenziell nüchternen Formen, wollten die Gegenwart so als Erscheinung voller brutaler sozialer Konflikte, Kontraste sehen, damit implizit veränderbar machen – die anderen versuchten, das - private wie gesellschaftliche – Unterbewusste möglichst ungefiltert sich durch sie: die Künstler, Gestalt brechen zu lassen. So ungefähr, denn realiter ist ja alles ungleich komplizierter, jede Kunstrichtung durchzogen von Spurenelementen früherer wie kommender Stile, Moden, Gruppen – hier vor allem: Dadaismus, Expressionismus und Futurismus; auch egal, denn Reinheit war schon immer der Anfang vom Ende. Eins, nun, eint die Neusachlichen und die Surrealisten: das Phantom der Objektivität – beide wollten gewisse interpretative Affekte wie Effekte – so weit menschenmöglich - vermeiden. Das Kino kam ihnen da gerade recht: Die Kamera, glaubte man, zeichnet mit Hilfe des photochemischen Films wahrheitsgetreu auf, was da ist – bzw.: das Kino weiß ob dieses „Abkommens über den Wirklichkeitsgrad des kinematographischen Bildes“ das Außerordentliche quasi alltäglich erscheinen zu lassen (was es ja auch ist), Innen-Leben in den kollektiven Raum als Tatsachen hineinzuprojizieren. Schwierig, das exakt in Worte zu fassen. Die Schau RealSurreal, eine Lichtspiel-Ausweitung der gleichnamigen, zeitgleich im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehenden Ausstellung, flaniert durch die Avantgarden jener Jahre, schaut mit ihnen auf die Großstädte in ihrem Elend und Neonschimmern, lernt dort den Unterschied zwischen hausen und wohnen kennen, geht sich mit deren Bewohnern amüsieren (und erlebt dort die Ausnahme als potentielle Regel), staunt wie die Menschen damals über all die Dinge, welche man nun und nur dank des Kinos und seiner Möglichkeiten sehen kann, und erlebt, wie sich daraus Formen des Erzählens entwickeln, die bis heute eine Herausforderung sind. Eine Coda demonstriert, dass diese Avantgarde(n) nichts von ihrer Bedeutung, Anwendbarkeit, politischen Schlagkraft verloren haben – ganz im Gegenteil. (Olaf Möller. Kölner. Schreibt über und zeigt Filme.)

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