• Die TILDA

Neuer Preis beim 33. Internationalen Filmfestival Braunschweig: der Frauenfilmpreis „Die TILDA“

Das Braunschweiger Filmfestival erhält zu seiner 33. Ausgabe einen weiteren Preis. „Die TILDA“ heißt der neue mit 5.000 Euro dotierte Frauenfilmpreis, den 60 Stifterinnen dem Festival spenden. Das Anliegen der Stifterinnen: filmschaffende Frauen in all ihrer Diversität sichtbar machen. Erstmals wird „Die TILDA“ auf der Preisverleihung des Internationalen Filmfestival Braunschweig am Samstag, dem 23. November 2019 verliehen. Im Wettbewerb stehen acht internationale Produktionen.
Ziel des Preises ist es, filmschaffende Frauen in ihrer Diversität sichtbar zu machen. Und dabei geht es um Diversität in jeder Hinsicht – sowohl was das Genre, die Art des Erzählens und die erzählten Geschichten angeht, wie auch was die Regisseurinnen selbst betrifft, denn der international ausgeschriebene Regiepreis richtet sich an Frauen jeglicher Herkunft, sexueller Orientierung, Hautfarbe etc. Ein weiteres wichtiges Ziel des Filmpreises von Frauen für Frauen ist darüber hinaus, Regisseurinnen zu ermutigen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und deren Werke nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

Die Gewinnerfilme

2020: SLALOM

Regie: Charlène Favier.

Begründung der Jury:

„Der Debütfilm „Slalom“ der französischen Regisseurin und Drehbuchautorin Charlène Favier zeigt einfühlsam, vielschichtig und überzeugend die perfiden Mechanismen auf, die hinter Missbrauch stecken – hier am Beispiel eines Skitrainers und seiner 15-jährigen Schülerin.

Die Machtposition des Erfolgstrainers, der die junge Frau mit einer Mischung aus Druck, Kritik, Lob und Bevorzugung an sich bindet; die Unsicherheit der Pubertierenden, die aufgrund ihrer abwesenden Mutter und einer fehlenden Vaterfigur besonders empfänglich für männliche Anerkennung ist, was sie scheinbar Grenzüberschreitungen akzeptieren lässt; die Unterstellung einer (Mit-)Verantwortung der jungen Frau für das übergriffige Geschehen. Die fast schon märchenhaften Schneeszenen zeigen, wonach die Jugendliche sucht, doch was sie findet, sind nicht Schönheit und Harmonie der Liebe, sondern sexuelle Ausbeutung, an der sie fast zerbricht.

Als sie beim Erreichen ihres Traumes, dem Sieg im Skirennen, statt Freude nur Leere empfindet, gelingt es ihr mit dem Rückhalt ihrer Freundin und ihrer Mutter, sich von ihrem Trainer loszusagen und den Missbrauch zu beenden. Die subtile Dramaturgie, die Kameraführung mit ihrer Nähe zur Hauptfigur, die beeindruckende Schauspielleistung und die emanzipatorische Botschaft zeichnen diesen Film aus.“

Die Jury 2020

Heike Klippel
Professorin für Filmwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Veröffentlichungen zu Themen feministischer Filmtheorie, Gedächtnis, Zeit, Film und Alltag. Letzte Publikation: Poisons and Poisoning in Science, Fiction, and Cinema (2017), hg. mit B. Wahrig, A. Zechner.

Borjana Gaković
Medienpolitische Sprecherin des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit e.V.

Film- und Medienwissenschaftlerin, und Redakteurin der kinopolitischen Quartalszeitschrift Kinema Kommunal. Mitglied der Auswahlkommission von DOK Leipzig 2020.

Margrit Lang
Stifterin

Lehrerin für Kunst, Film und Darstellendes Spiel. Ausbildung zur Filmlehrerin an der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Anleitung von schulischen Kurzfilm-Projekten.

Kirsi Liimatainen
Regisseurin und Schauspielerin

Arbeitete zuerst als Schauspielerin in Finnland und studierte dann Filmregie an der Filmuniversität in Potsdam. Ihr letzter Film COMRADE, WHERE ARE YOU TODAY? erhielt den „Metropolis“-Preis 2017. Zu ihren Arbeiten zählen Filme, Theater und TV-Dramen.

Dr. Wibke Westermeyer
Stifterin

Wissenschaftliche Redakteurin am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig. Mitwirkung bei Ausrichtung und Juryarbeit eines Tourismusfilmpreises.

2019: LOVEMOBIL

Regie: Elke Margarete Lehrenkraus

Die Begründung der Jury:

Ein außergewöhnlicher Dokumentarfilm über Sexarbeiterinnen, die in Wohnmobilen an niedersächsischen Landstraßen arbeiten. Ein Film der leisen Töne, der sich Zeit nimmt und sehr private Einblicke in das Gefühlsleben der Protagonistinnen gewährt. Er lässt uns unmittelbar teilhaben an den Hoffnungen und Ängsten, der Einsamkeit und Verzweiflung der Frauen – eine erstaunliche Leistung, ermöglicht durch die dreijährige Drehzeit, in der sich das Filmteam mit Sensibilität und Respekt das Vertrauen der porträtierten Frauen erarbeitete. Ungewöhnlich für einen Dokumentarfilm ist, dass das Filmteam unsichtbar und vor allem unhörbar bleibt, doch dies gibt den porträtierten Frauen den Raum, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Im Zentrum des Films stehen Milena aus Bulgarien und Rita aus Nigeria sowie Uschi, die als Zuhälterin und Vermieterin fungiert. Ihre Intelligent und Würde stehen in starkem Gegensatz zum entmenschlichenden Prozess, bei dem sich die Freier die Dienste und, so scheinen es einige wahrzunehmen, auch die Frauen selbst kaufen. Der Film beeindruckt mit langen, sorgfältig gewählten Einstellungen und originellen Bildern. Gekonnt wird der beengte Raum in den Wohnmobilen mit der offenen Landschaft der Umgebung kontrastiert.

Ein mutiger und innovativer Film!

Die Jury 2019

Heike Klippel
Professorin für Filmwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Veröffentlichungen zu Themen feministischer Filmtheorie, Gedächtnis, Zeit, Film und Alltag. Letzte Publikation: Poisons and Poisoning in Science, Fiction, and Cinema (2017), hg. mit B. Wahrig, A. Zechner.

Frauke Kolbmüller
Die Leipzigerin studierte u.a. Filmproduktion (M.A). Als freie Producerin arbeitete sie u.a. mit Wüste Film. 2015 gründete sie die Oma Inge Film in Hamburg, deren dritte Produktion SYSTEMSPRENGER ist. Sie ist Mitglied der Europäischen Filmakademie.

Joanna Łapińska
Programmdirektion des Transatlantyk Festival, Mitglied der Europäischen Film Akademie. Davor arbeitete sie fast 15 Jahre für das New Horizons International Film Festival, seit 2007 als künstlerische Leiterin.

Dr. Wibke Westermeyer
Wissenschaftliche Redakteurin am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig. Mitwirkung bei Ausrichtung und Juryarbeit eines Tourismusfilmpreises.

Dr. Maxa Zoller
Künstlerische Direktorin des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund | Köln. Sie arbeitet als freie Filmkuratorin unter anderem für Art Basel und unterrichtete zuletzt Film- und Kunstgeschichte an der Amerikanischen Universität Kairo.