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•Filmkomponisten-Portrait

2017: Jan A. P. Kaczmarek

Als der erste polnische Oscarpreisträger 1989 von Polen in die USA zog, konnte er bereits auf eine erfolgreiche Karriere als Theater- und Filmkomponist zurückblicken. In den USA war er zunächs mit Theatermusik erfolgreich und gewann den Obie Award und den Drama Desk. Bald gelang es ihm, in der US-Filmbranche Fuß zu fassen und er schrieb Musik für sechzig Filme, darunter BLISS (1997), UNTREU (2002), SPUREN EINES LEBENS (2007) und HACHIKO (2009). Er komponierte für Regisseure wie Lasse Hallström, Agnieszka Holland, Lajos Koltai oder Adrian Lyne.

2005 gewann er den Oscar für die Beste Filmmusik für WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN. Neben der Musik leitet Kaczmarek mit Energie und Ideenreichtum das Film- und Musikfestival TRANSATLANTYK Lodz, das er 2011 gründete und das 2017 63.000 Gäste anzog. Er ist Träger des Ordens Polonia Restituta.

 

2016: Patrick Doyle

© Moritz Küstner/Filmfestival

Patrick Doyle wurde 1953 in Schottland geboren. Sein Klavier- und Gesangsstudium an der Royal Scottish Academy of Music and Drama schloss er 1975 ab. Doyle schreibt Musik für Radio, Fernsehen, Theater, Film und Konzertsaal.

Doyle trat 1987 Kenneth Brangahs Renaissance Theatre Company als Komponist und Musikalischer Direktor bei. Dieser beauftragte ihn 1989 mit der Musik zu HENRY V. Seitedem arbeiten die beiden reglmäßig zusammen. Der Score zu Branaghs THOR (2011) ist eine perfekte Symbiose aus klassischen Musikelementen aus Blockbustern und Doyles persönlicher melodisch-lyrischer Handschrift. Seither setzt Hollywood stärker auf musikalsiche Vielfalt.

Doyle war jemals zweimal für den Oscar, Golden Globe und César nominiert. Scottish BAFTA ehrte ihn für sein Lebenswerk

 

2015: Marcel Barsotti

Geboren in Luzern (Schweiz), studierte Barsotti von 1982 bis 1988  Komposition, Klarinette und Klavier am Richard-Strauss-Konservatorium München und absolvierte eine popmusikalische Ausbildung bei Harold Faltermeyer. Seit 1995 hat Marcel Barsotti für mehr als 60 nationale und internationale Filme die Musik komponiert. Im Jahr 202 veröffentlichte er die erste umfassende CD-Rom Enzyklopädie "Ethno World" für ethnische Instrumente, die mittlerweile weltweit von renommierten Filmkomponisten und Musikern eingesetzt wird.

 

 

2014: Jean-Michel Bernand

(c) Giovanni Cittadini Cesi

In der Vita des klassisch ausgebildeten Komponisten sind schon früh Kollaborationen mit Lalo Schifrin und Ennio Morricone und Arbeiten für RegisseurClaude Chabrol zu finden. Doch seine Karriere als Filmkomponist begann erst richtig als 2000 der Videofilmregisseur Michel Gondry für seinen ersten Langfilm HUMAN NATURE Songs brauchte, die seine Hauptdarstellerin Patricia Arquette im Film vortragen sollte.

Bernard arbeitete von 2001 bis 2003 für Soul-Legende Ray Charles als sein Arrangeur, Orchesterleiter und Organist auf dessen letzten Welttourneen. Seine Arbeit zeichnet eine stilistische Verspieltheit aus. Voller Witz und Ideen ist er der akustische Konterpart der visuellen Zauberwelten eines Michel Gondry. Doch er zeigt auch gerne, dass er anders kann: So ist er im Heist Movie CA$H von Eric Besnard mitreißend cool zu hören. In Fanny Ardants Beziehungsdrama CADENCES ABSTINÈES hingegen erzeugt er mit kleinen, fast unscheinbaren Einfällen eine beunruhigend dichte Atmosphäre.

 

 

2013: Niki Reiser

© Marius Maasewerd

Von 1980 bis 194 studierte Reiser an der Berklee School of Music in Boston Jazz und Klassik mit dem Schwerpunkt Filmmusik. In die Schweiz zurückgekehrt, gründete er eine Jazzband. 1986 begegnete er dem Regisseur Dani Levy. 

Über die Jahre treu geblieben ist er (und sie ihm) neben Dani Levy auch Caroline Link, mit der er EXIT MARRAKECH fertigstellte. Geschätzt wird Niki Reisers Gabe, sich auf alle möglichen Stile und Stilrichtungen einzulassen. Für die Musik in Links NIRGENDWO IN AFRIKA fuhr Reiser nach Kenia. Das Ergebnis war unter anderem der Deutsche Filmpreis für die beste Musik.

 

2012: Ludovic Bource

Erstmals aktiv mit der Musik in Berührung kam Ludovic Bource im Alter von acht Jahren, als er mit dem Akkordeonspiel anfing. Mithilfe privater Musikstunden trat er bereits im Alter von elf Jahren auf verschiedenen Festen, Feiern, Hochzeiten und Veranstaltungen als Musiker auf. Nachdem er mit 13 Jahren das Klavier erlernt hatte, begann er an den Musikschulen Saint-Brieux und Vanne zu studieren. Mit 19 Jahren besuchte er die Pariser Jazzhochschule SIM.

Durch einen gemeinsamen Freund wurde Bource 1995 der französische Regisseur Michel Hazanavicuius vorgestellt, für den er anschließend die Musik für drei Werbespots komponierte. Für seine Filmmusik zum Spielfilm The Artist (2011) gewann er den Oscar und den Golden Globe Award.

 

2011: FALL ON YOUR SWORD

© Marek Kruszewski

FALL ON YOUR SWORD sind Will Bates und Phil Mossmann. Bates ist Absolvent der Academy of Music in Komposition und Jazz-Saxophon. Als Saxophonist arbeitete er u.a. mit Roy Ayers, Paul McCartney und Steve Hackett zusammen. Mossman ist Gitarrist und Basisst. Er war Mitglied bei Andrew Weatheralls "The Sabre of Paradise" und James Murphys "LCD Soundsystem". Mit David Holmes arbeitete Mossman an den Filmen OUT OF SIGHT (1998) und OCEAN'S ELVEN (2001).

Für ihre erste Zusammenarbeit, einen Werbespot für Fußballschuhe, gewannen sie 2008 den Cannes Gold Lion Award und 2009 den Gold Clio Award. Daraufhin beschlossen sie, in Williamsburg (Brooklyn) die "Fall On Your Sword Studios" zu gründen. Im Internet treten FALL ON YOUR SWORD seit 2009 als erfolgreiche "viral video mavericks" in Erscheinung. Allein ihr Video "Shatner Of The Mount" verzeichnet bei YouTube mehr als 1,6 Millionen Klicks. Daneben nehmen sich Will und Phil auch weiterhin die Zeit für Konzerte als Band und DJ/VJ-Auftritte.

 

2010: Shigeru Umebayashi

Geboren am 19.2.1951 in Kita-Kyushu, Japan, begann Umebayashi, genannt Umé, seine Karriere als Kopf der japanischen New Wave Rockband EX. Nach deren Auflösung schrieb und produzierte er ein Album für den legendären Schauspieler Yusaku Matsuda. Dieser brachte Umebayashi zur Filmmusik. Bereits für zwei seiner frühen Scores, LET HIM REST IN PEACE und AND THEN wurde Umebayashi mit Preisen überhäuft. Internationale Aufmerksamkeit erlange er erstmal 1995. Seine Musik zu THE CHRIST OF NANJING etablierte ihn in Honkong.

Umebayashi hat die Musik zu über vierzig Spielfilmen geschrieben. Daneben komponierte erfür Hörspiele, TV-Serien und Dokumentationen. Im Westen ist Umebayashi hauptsächlich für seine langjährige Zusammenarbeit mit Wong Kar Wai und Zhang Yimou bekannt. Inzwischen arbeitet er aber auf für das europäische Kino. Seine Bandbreite reicht hierbei von Autorenfilmen wie ABSURDISTAN bis zu Blockbusternwie HANNIBAL RISING.

2009: Alexandre Desplat

Theoretiker des Filmmusik unterscheiden gerne zwischen den Handwerkern Amerikas und den Stilisten Europas: Auf der einen Seite Komponisten, die sich bereitwillig den Anforderungen ständig wechselnder Filmprodukte unterwerfen, und solchen, die auf einer eigenen musikalischen Stimme beharren. 

Der 1961 in Paris geborene Alexandre Desplat ist da eine rühmliche Ausnahme, denn er gehört weder in die eine noch in die andere Kategorie, sonder dazwischen, was in diesem Fall eine Auszeichnung der besonderen Art ist, denn die stereotype Sichtweise trifft natürlich nur selten zu: Diesseits wie jenseits des Atlantiks sind die Komponisten in der Lage, von Projekt zu Projekt ihren Stil und die Prominenz ihrer Beiträge den jeweiligen Erfordernissen anzupassen. Niemand kann dies gegenwärtig besser als Desplat, denn er gehört zu den meist beschäftigten Filmkomponisten der Welt. Allein 2009 hat er neun filme vertont, darunter so unterschiedliche Streifen wie CHERI oder COCO CHANEL.

2008: Michael Nyman

© Dirk Alper

Als Michael Nyman vor über 40 Jahren seien Studie "Experimental Music: Cage and Beyond" veröffentlichte, ahnte er wohl kaum, dass er selber ganz zentral zu diesem beyond beitragen würde. 1944 in London geboren, studierte Nyman Klavier und Musikgeschichte am Royal College of Music und am Kings College London. Mit dem komponieren begann er bereits als Student, gab es aber 1964 auf, weil die Musik, die damals kulturell bedeutsam galt, nicht dem entsprach, was er schreiben wollte. 

In den 70ern fand Nyman zum Komponieren zurück und wurde zum führenden britischen Vertreter des minimalism. Einem großen Publikum wurde er als Filmkomponist bekannt. Mit Peter Greenaway bildete er in den 80ern eines der bedeutsamsten Regie/Musik-Gespanne der Filmgeschichte. In den letzten Jahren wandte Nyman sich wieder verstärkt der Oper und dem Konzertsaal zu. Doch bleibt er auch weiterhin dem Kino treu. 2008 wurde er für seine Verdienste um die Musik  zum Commander of the Order of the British Empire ernannt.

2007: Andrew Dickson

Andrew Dicks, geboren 1945 in Isleworth, einem Stadtbezirk von London, geboren, hat sich seit den 1980er Jahren sowohl als Theaterkomponist, als Komponist für Fernsehspiele als auch Filmkomponist in Großbritannien und darüber hinaus einen Namen gemacht. Besonders eng ist seine Zusammenarbeit mit Mike Leigh, die mit Leighs für das Fernsehen produziertem MEANTIME von 1984 begann.

Wie auch Leigh begann Dickson seine Karriere beim Theater, wo er vielfältige Talente als Schauspieler, Musiker, Regisseur, Autor und Komponist entwickelte. Unbestreitbar hat seine Theatererfahrung großen Einfluss auf seine Kompositionsweise ausgeübt.Er setzt seine Musik gezielt zur Unterstreichung, sogar zur thematischen verdeutlichen der Gesamtaussage des Films ein. Für seinen Score für HIGH HOPES erhielt er den European Film Award und den ASCAP Film Score Award für SECRETS & LIES. 

2006: Carl Davis

Carl Davis schrieb die Musik zu über 100 Fernsehserien und ist bekannt für seine Nachvertonung von Stummfilmen. So konnte er 1979 einen großen Erfolg mit der Nachvertonung von Napoléon von Abel Gance feiern. Für seine Filmmusik zu Die Geliebte des französischen Leutnants wurde er 1981 mit einem British Academy Film Award und einer Grammy-Nominierung ausgezeichnet. 1993 wurde er zum künstlerischen Direktor und Dirigenten des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra ernannt. Anlässlich des 150.

Neben seiner Arbeit als Komponist für Film und Fernsehen, zum Beispiel in Das Buch Eva – Ticket ins Paradies (2002), komponiert Davis auch für Ballett- und Hörspiele. So wurde am 17. Juni 2012 der Liederzyklus "Last Train to Tomorrow" in Manchester uraufgeführt, ein Auftragswerk des Hallé-Orchesters, gewidmet den "Kindertransporten". 2003 erhielt er den British Academy Film Award für sein Lebenswerk.

2005: Craig Armstrong

Seit nunmehr zehn Jahren ist Craig Armstrong einer der gefragtesten Filmkomponisten seiner Generation. Geboren 1959 in Glasgow, studierte Armstrong Komposition und Klavier an der renomierten Royal Academy of Music in London. 1981 erhielt er das "Harvey Lohr scholarship for composition", und 1982 gewann er den "GLAA young jazz musician of the year". 

Die ersten Jahre nach Abschluss seines Studiums arbeitete Armstrong sich zunächst als Barpianist durch, bevor er mit einigen Freunden die Band Hipsway gründete, aus der heraus sich Texas bildetet. Ab 1990 erhielt Armstrong einige TV-Aufträge von der BBC und dem STV. Hieraus ergab sich die Zusammenarbeit mit Peter Mullan an der vielfach preisgekrönten Kurzfilmtrilogie CLOSE / A GOOD DAY FOR THE BAD GUYS / FRIDGE 1996 schließlich erlebte Armstrong seinen internationalen Druchbruch als Filmkomponist. ROMEO + JULIET, Baz Luhrmanns postmoderne Interpretation des klassischen Shakespearstoffes, unterlegte Armstrong mit einem bis dahin im Kino nie gehörten Genremix.