30

• Heimspiel-Preis (früher: "Die Goldenen Vier Linden")

Preis für den besten Film der "Heimspiel"-Reihe

Jury-Preis für den besten Film der "Heimspiel"-Reihe mit 1.000 Euro Preisgeld, gesponsert von Volkswagen Financial Services.

2019: LOVEMOBIL

Regie: Elke Margarete Lehrenkrauss

Wer hat sie nicht schon gesehen, die Wohnmobile, die an den Seiten der B1 nach Gifhorn oder an Autobahnrasthöfen stehen? Dekoriert mit roten Herzen und kleinen Lampen stehen sie am Rande von Äckern und Wäldern. Minibordelle. In ihnen sitzen die Prostituierten – meist aus Osteuropa oder Afrika – und warten auf ihre Freier. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in das Leben dieser Frauen. Was bringt sie zu diesem Job? Was sind ihre Träume und Hoffnungen? Wie verbringen sie ihre Zeit des Wartens? Lehrenkrauss arbeitete drei Jahre an diesem Film, erlangte das Vertrauen ihrer Protagonistinnen und zeigt deren Welt. Völlig wertungsfrei gibt sie uns so einen Einblick in einen Mikrokosmos am Rande der Gesellschaft.

 

Die Begründung der Jury:

Jan Philip Lange:

In „Lovemobil“ gelingt es Elke Margarete Lehrenkrauss eindrucksvoll, stimmenlosen Frauen eine Stimme zu geben, indem sie die Missstände aus den Campingmobilen neben den dunklen Landstraßen Niedersachsens ins Licht rückt. Im Film begleiten wir zwei Prostituierte, die in den für die norddeutsche Heide-Region typischen Lovemobils – Campingmobilen – arbeiten.

Julia Dordel:

Die Regisseurin verwebt geschickt die ans Herz gehenden Geschichten der Frauen, stellt sie sehr detailliert und tiefgehend dar. Auch die Vermieterin der Lovemobils wird so facettenreich portraitiert, dass man sich bis ans Ende des Films fragen muss, ob sie nun Zuhälterin oder Freundin der Frauen ist. Ihr eigenes Schicksal zeigt in aller Deutlichkeit, dass die Welt nicht nur  aus Schwarz und Weiß besteht. 

Johannes Kienast: 

Elke Margarete Lehrenkrauss schafft es, ihre Protagonistinnen würdevoll zu zeigen, indem die Kamera die Frauen nicht voyeuristisch, sondern diskret beobachtend begleitet. Dabei wird eine Authentizität erreicht, die vermuten lässt, dass die Frauen  die Kamera gänzlich vergessen haben.
Ein „Heimspiel“ ist „Lovemobil“ für Braunschweig, da der Film in dieser Region entstand und die Wohnwagen und –mobile am Rand der Landstraßen typisch und alltägliches Erscheinungsbild sind. Durch Elke Margarete Lehrenkrauss‘ Film bekommen wir als Zuschauer Einblicke in das Leben der Frauen, deren Leben sich dort abspielt.

Herzlichen Glückwunsch!

Die Jury 2019

Julia Dordel

Die Produzentin und Schauspielerin ist dem Genrespiel und Dokumentarfilm besonders verbunden. Sie vertritt
außerdem die Interessen von FilmemacherInnen in den Vorständen des Film- und Medienbüro Niedersachsen,
bei Women in Film & TV Germany und in der Niedersächsischen Landesmedienanstalt.

Johannes Kinenast

2008 bis 2012 Schauspielstudium an der Westfälischen Schauspielschule Bochum (Folkwang). Regelmäßige Arbeiten für Film und Fernsehen. Für 'Axel der Held' nominiert beim Max-Ophüls-Preis 2018 als Bester Schauspielnachwuchs.

Jan Philip Lange

Studium der Film- und Fernsehproduktion an der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf". 2002 Gründung der  Produktionsfirma JUNIFILM, dort tätig als Produzent und Geschäftsführer. Mitglied im Vorstand des Film- und Medienbüros Niedersachsen.

Die Jury 2018

Benyamin Bahri

Der gebürtige West-Berliner hat neben Stationen in Bochum und Bremen größtenteils in Braunschweig gelebt und ist heute Chefredakteur des hiesigen Stadt- und Regionalmagazins SUBWAY – einem jahrelangen Partner des Internationalen Filmfest Braunschweig. Als Medienschaffender setzt er sich regelmäßig mit Film und Kino auseinander.

Nora Fingscheidt

Die gebürtige Braunschweigerin studierte von 2008 - 2017 Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg und schloss ihr Studium mit dem Dokumentarfilm OHNE DIESE WELT ab. 2017 gewann sie damit „Die Goldenen Vier Linden“.

Elda Sorra

Geboren 1978 in Tirana, Albanien, floh ihre Familie 1990 nach Deutschland, wo sie in Lemgo aufwuchs. Nach der Schauspielausbildung an der Arturo Schauspielschule Köln war sie im Theater sowie in Kino und TV-Produktionen zu sehen. Der Kurzfilm PAMÇKA ist Sorras Debüt als Regisseurin und Produzentin.

2018: MY FAVOURITE FABRIC

Die Begründung der Jury:

Überzeugt hat uns das Drama aufgrund seiner verzaubernden, tragikomischen Wirkung, der stimmungsvollen filmischen Umsetzung und seiner aktuellen gesellschaftspolitischen Verortbarkeit.
Erzählt wird die geheimnisträchtige Sehnsuchtsgeschichte der sympathisch-störrischen, empfindsamen Teenagerin Nahla, die mit ihren zwei Schwestern zur Zeit des aufkeimenden syrischen Bürgerkrieges in einem Vorort von Damaskus lebt und sich im Alltag in ihren leidenschaftlichen (Tag-)träumen von einem besseren Leben verliert. In einer von Männern, Religion und politischen Konflikten geprägten Welt versucht die einsame und frustrierte Nahla ihren Platz zu finden. Ihr Schicksal gleicht dabei dem Schicksal des ganzen Volkes, das nach Freiheit ringt. So wird der Film immer wieder jäh unterbrochen durch teils drastische (Dokumentar-?) Originalaufnahmen des städtischen Kriegsschauplatzes.
Dennoch spielt der komplizierte gesellschaftliche Rahmen nur völlig Beiläufig  eine Rolle. Wo die arabische Alltagswelt häufig sehr einseitig dargestellt wird, bricht „My Favourite Fabric“ mit Klischees und beleuchtet vielmehr  das bezaubernde  Innenleben der eigenwilligen Protagonistin und auch der anderen starken (syrischen) Frauenbilder im Film eine Rolle.
„Beleuchtet“ ist hier das richtige Wort, denn ein ganz besonderes Licht- und Farbenspiel untermalt die magische Sinnlichkeit des Films, die sich dem Zuschauer sanft, gemütlich, unaufgeregt und angenehm aufdrängt.
Ebenso wie die abwechslungsreiche Filmmusik des Braunschweiger Komponisten Peer Kleinschmidt, die die Geschichte aktiv miterzählt und gekonnt den Blickwinkel verändert – angemessen intensiv, und dabei zurückhaltend und den Szenerien entsprechend. Letztendlich hat die Musik für uns den Ausschlag,für unsere Entscheidung zur Vergabe des „Heimspiel“-Preises gegeben.

2017: OHNE DIESE WELT

Deutschland 2017, 115 Min.
Sprache: Deutsch, Spanisch, Untertitel: Deutsch
Genre: Dokumentation
Regie: Nora Fingscheidt
Kamera: Yunus Roy Imer
Buch: Nora Fingscheidt
Schnitt: Stephan Bechinger
Produktion: Peter Hartwig, Juliane Engel, Leonie Pokutta
Produktionsfirma: kineo Filmproduktion
Musik: John Gürtler
Altersbeschränkung: Freigegeben ab 12 J.


Im Norden Argentiniens, 2016: In einem von der Umwelt abgeschnittenen Gebiet leben etwa 700 deutschstämmige Mennoniten. Vor 18 Jahren kamen sie aus Mexiko und hofften, ein Leben ohne Fortschritt leben zu können. Ohne Autos, ohne Stromanschluss, Telefone oder Radios, führen sie ein Leben wie im 18. Jahrhundert. Die Glaubensgemeinschaft betreibt Ackerbau und Viehzucht, sie sprechen ein altes Plattdeutsch und leben ein frommes Leben für Gott. Der Dokumentarfilm beobachtet das Leben einer leisen Gesellschaft zwischen Abschottung und Wandel und hinterfragt, ob die Kinder diesen Weg ebenfalls gehen wollen und man sich der technischen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung völlig verweigern kann.

Die Jury mit dem Schauspieler, Autor und Filmemacher Detlef Bothe, der Regisseurin und Drehbuchautorin Anna Linke und dem Vorjahresgewinner Lars Jordan entschied sich für die ergreifende Dokumentation von Regisseurin Nora Fingscheidt. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

2016: DEXIT - DER NÄCHSTE FLÜCHTLING BIST DU

Deutschland 2016, 126 Min.
Regie: Lars Jordan
Kamera: Ignacio Hennigs
Buch: Lars Jordan
Schnitt: Kid Cut
Darsteller: Jarah- Maria Anders, Marcel A. Heizmann, Kristina Kostiv
Produktion: LowDefinitionFilms
Musik: Lars Jordan, DJ Baby Tiger u.a.

Die nahe Zukunft: Deutschland ist von einer schweren Krise erschüttert. Lisa, Agatha, Fahrer Ronny und Hund Trojo bilden eine Fahrgemeinschaft in einem Kleinbus, als aus unbekannten Gründen alle Kommunikationsnetze zusammenbrechen. Nachdem sie von einer Tankstelle gewaltsam vertrieben wurden geht ihnen am folgenden Tag der Treibstoff aus - sie müssen zu Fuß weiter, orientierungslos und nur mit ein paar Nahrungsmitteln in Plastiktüten. Gejagt von einer feindseliger Landbevölkerung verstecken sie sich in den Wäldern, innerhalb von Stunden sind sie von Reisenden zu Flüchtlingen im eigenen Land mutiert. Nicht alle aus der Gruppe überleben diesen Auftakt eines Bürgerkrieges...

Die Jury mit Cinestrange-Leiter Marc Fehse, Leon Kluth vom Braunschweiger Sommerkino und Bloggerin Stefanie Krause von  kult-tour-bs.de entschied sich für das dystopische Drama von Regisseur Lars Jordan, das in Braunschweig seine Weltpremiere erlebte. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.