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VOLKSWAGEN FINANCIAL SERVICES FILMPREIS

© Patrick Slesiona/Filmfestival

Neben dem Publikumspreis "Der Heinrich" zeichnet das Festivals 2018 erstmals einen Debüt- oder Zweitfilm in der "Wettbewerb"-Reihe mit dem "Volkswagen Financial Services Filmpreis" aus.

Den mit 10.000 Euro dotierten Preis verleiht eine dreiköpfige Jury für den besten Film der Reihe. Den Preis ermöglicht der Hauptsponsor des Festivals Volkswagen Financial Services.

Die Gewinner

X - THE EXPLOITED

Regie: Károly Ujj Mészáros, Ungarn 2018, 111 Min.

Die Begründung der Jury:

Zehn aktuelle Filme standen im Wettbewerb um den zum ersten Mal ausgelobten Volkswagen Financial Services Filmpreis für den besten Newcomer- oder Zweitfilm. Die Jury war fast genauso international wie die Produktionen. Und sie war von ihrem professionellen Hintergrund auch genauso unterschiedlich in ihrem Blick auf aktuelles Kino wie die Filme. Fixpunkt im Programm war das „klassische“ Newcomer-Thema, „Erwachsenwerden/Generationenkonflikt“ und der dazugehörige „klassische“ Plot „Roadmovie“.

Sozialstudien über Osteuropa oder Indien mit einem besonderen Schlaglicht auf die Situation von Frauen, Jugendprotest in London oder die Wehen und Nachwehen der politischen Zeitenwende um 1989 waren zu diskutieren und zu bewerten. Viele Wege zum Debüt waren repräsentiert: Der Langfilm nach Kurzfilmen oder Drehbüchern, der Spielfilm nach  Dokumentationen oder Clips, die TV-Produktion nach Theaterarbeit. Insgesamt ein starkes Feld, das intensives Streiten um die individuelle Sicht notwendig machte. Dabei machte sich die Jury immer wieder bewusst, dass hier der beste Film und nicht das beste Drehbuch, die beste Schauspielerin oder der beste Regisseur zu nominieren war. Wichtige Kriterien waren ihr die Originalität der Mittel und die Intensität, mit der ein Film Interesse für sein Thema und seine Protagonisten zu erzeugen vermag.

 Dennoch gab es auch herausragende Einzelleistungen zu sehen, wobei die Jury den jungen Schauspieler Andrea Lattanzi für die Titelrolle in „Manuel“ von Dario Albertini hier besonders herausheben möchte. Seine Verkörperung des gerade erwachsenen Heimkinds, das für seine inhaftierte Mutter Verantwortung übernimmt, berührt intensiv und trägt den Film.

 Das Votum der Jury für die beste filmische Gesamtleistung jedoch ging an eine aktuelle ungarische Produktion, „X- The Exploited“ von Károly Ujj Mászáros. Oberflächlich eine ungarische Interpretation der weiblichen Ermittlerin im Nordic-Noir-Stil, überzeugt der Film durch einen extrem dichten, immer wieder überraschenden Spannungsbogen, umgesetzt mit großer Liebe zum Detail. Originelle Bildsymbolik setzt das durchweg starke, typenreiche Ensemble um die traumatisierte Polizistin Eva (Móni Balsai) perfekt in Szene. Untergetauchte Geheimdienste aus der kommunistischen Vergangenheit sorgen erneut für Angst und Schrecken, das vor dem Hintergrund der aktuellen Konflikte um eine demokratische Zukunft. Der düstere Stil ist damit alles andere als dekorativer Selbstzweck, sondern ursächlich Treiber der Geschichte.

Eine großartiges Stück europäisches Kino und ein würdiger erster Preisträger des neuen Volkswagen Financial Services Filmpreises.

Die Jury 2018

Digital 21

Digital 21 ist Musiker, Komponist, Produzent und Videokünstler. Der namenhafte Künstler führte bereits Regie bei mehreren Musikvideos. Er kombiniert experimentelle Musik mit Videokunst (Guggenheim, MUA, MACBA, ...) und ist der zweite Kopf von „DIGITAL 21+ STEFAN OLSDAL“ sowie für die Live Visuals verantwortlich.

Ingo Haeb

Filmstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln, danach ein Drehbuchstudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Seit 2001 hat er Drehbücher für neun Kinofilme geschrieben, darunter AM TAG ALS BOBBY EWING STARB (2006), der mit dem Max- Ophüls-Preis als bester Debütfilm und dem Drehbuchförderpreis der Eurovision ausgezeichnet wurde.

Kaja Klimek

Filmkritikerin, Filmpädagogin und freiberufliche Filmvorführerin. Sie übersetzt Filme, schreibt gelegentlich über sie und diskutiert sie ständig. Entweder mit Filmemacher*innen und Zuschauer*innen auf Filmfestivals und Kinos oder mit Student*innen des Instituts für Journalismus der Universität von Warschau in Polen, aber auch mit Kindern im Rahmen des New Horizons Festivals, des polnischen Filminstituts oder des Filmoteka Szkolna Programm für Filmpädagogik.

Dr. Frank Woesthoff

Geb. 1959, Studium der Medienwissenschaften, Promotion in Literaturwissenschaft, Volontariat beim Bayerischen Rundfunk, Dramaturg, Regisseur und Geschäftsführer an diversen Staats- und Stadttheatern, freier Autor für Hörfunk und Fernsehen, Pressesprecher u.a. niedersächsische Landesregierung. Seit 2003 im Volkswagen Konzern in verschiedenen Management-Funktionen.