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„Die Menschen wollen wieder ins Kino“ - Braunschweig International Film Festival (BIFF) 2022 mit positivem Zuschauertrend und polarisierenden Werken

Sieben Tage Programm, rund 170 Gäste aus der Branche, insgesamt 246 Filme und zahlreiche Sonderveranstaltungen an unterschiedlichen Spielorten der Stadt und Region: Das Braunschweig International Film Festival (BIFF) zieht ein positives Fazit zur diesjährigen Ausgabe. Mit rund 20.000 Besucher:innen kamen im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich mehr Menschen in die Kinos.

Erschöpft, aber glücklich blickt der Verein Internationales Filmfest Braunschweig e. V. auf die vergangene Festivalwoche zurück. „Eines hat die diesjährige Ausgabe ganz besonders gezeigt“, so der Vorsitzende Thorsten Rinke, „die Menschen wollen wieder ins Kino.“ Und er bestärkt: „Sowohl in den Zuschauendenzahlen als auch im Feedback der Gäste wurde deutlich, dass es ein großes Bedürfnis danach gibt sich wieder vor Ort mit Filmbegeisterten auszutauschen, gemeinsam das Kinoerlebnis zu zelebrieren und eben auch mit spannenden Filmschaffenden, Schauspieler:innen & Co. in den Dialog zu gehen.“ Das Signal sei eindeutig: es geht um die reale Interaktion, die zwischenmenschliche Begegnung.

Diese Botschaft lässt sich indes sogar an der Online-Plattform des Braunschweiger Festivals ablesen, die einige der diesjährigen Filme digital zugänglich machte. Dazu Rinke: „Hier haben wir das Gleiche wie in der Branche insgesamt festgestellt: der Trend ist rückläufig.“ Hybride Festivals ermöglichen einen dezentralen Zugang für neue Zielgruppen, insgesamt aber sei festzustellen, dass die Menschen wieder in die Spielstätten strömen. Ganz gleich ob ASTOR Filmtheater, Universum Filmtheater, Staatstheater Braunschweig, LOT-Theater, Roter Saal oder sogar St. Michaeliskirche: in den sieben Tagen Festival wurde nicht nur ein vielfältiges Programm, sondern auch eine spannende Auswahl an Orten aufgezeigt.

Gauerhof: „Filme müssen auch polarisieren.“

Apropos vielfältige Programmatik. Karina Gauerhof, als Festivalleiterin für das Programm verantwortlich, erläutert dazu: „Die Zuschauenden haben uns ein großes Dankeschön für das facettenreiche Programm zurückgespiegelt. Werke wie der deutsche Beitrag im Hauptwettbewerb PIAFFE oder KILLING THE EUNUCH KHAN haben polarisiert – aber genau das macht ein Filmfestival aus. Es geht darum auch experimentellere Formate einzubauen, die uns ein bisschen herausfordern und gleichzeitig neue Impulse geben. Auch der traditionelle Fokus unseres Festivals auf junges europäisches Kino, erntete viel Zuspruch.“ Die gute Resonanz auf die Filmauswahl bestärke das Festivalteam sehr in der Kuration. „Gleichwohl wurden die Sonderveranstaltungen wie etwa die Paneldiskussionen gut nachgefragt“, so Gauerhof. „Wir konnten auf diesem Wege auch Gewerke der Branche sichtbar machen, die sonst eher unterrepräsentiert sind, seien es etwa Caster:innen oder Editor:innen.“ Es stehe schon fest: „Solche Formate werden wir auch in Zukunft definitiv weiterführen.“

Dass es um die Begegnung in der Filmbranche und auch um den Austausch mit den Zuschauenden geht, unterstreicht auch die Filmfest-Vorsitzende Florence Houdin. Sie sagt: „Es war so schön langjährige Filmgäste aus Deutschland, Frankreich und vielen anderen Ländern wiedersehen zu können. Auch das Wiedersehen mit langjährigen Zuschauer:innen und das Kennenlernen neuer Gäste hat zu einer berauschenden Atmosphäre beigetragen.“ Schon der Start in die BIFF-Woche sei gut gelaufen: „Noch zwei Tage lang wurde in der Stadt über das Filmkonzert zu SAFETY LAST! diskutiert.“ Festivalleiterin für die Organisation Anke Hagenbüchner-Sobiech fügt hinzu: „Bereits am Dienstag waren die ersten Veranstaltungen ausverkauft – diese positive Entwicklung hat uns einen tollen Schub gegeben.“

Weitere Kooperationen in Stadt und Region

Mit Blick auf das Resümee zum diesjährigen Festival formuliert der veranstaltende Filmfest-Verein auch bereits die „Challenges“ für die kommenden Jahre. Dazu Hagenbüchner-Sobiech: „Wir wollen und müssen noch stärker ganzjährig mit Formaten und Kooperationen im Stadtleben sichtbar sein. Da sind wir bereits auf einem guten Weg – und wir haben noch mehr vor.“ In diesem Zusammenhang sollen auch noch neue Zielgruppen angesprochen werden. Auf diesem Weg sei die enge und stete Zusammenarbeit mit den langjährigen und neuen Sponsor:innen entscheidend. „Wir sind dankbar, dass die Sponsor:innen und Förder:innen auch in diesen wirklich herausfordernden Zeiten hinter uns stehen. Das gibt uns Optimismus, Zuversicht und vor allem auch Planungssicherheit.“ Der gemeinsame Tenor stehe indes fest: Festivals sind Kulturgut.