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Das 36. Filmfestival 2022

DIE BESTEN EUROPÄISCHEN FILME

Der Publikumspreis „Der Heinrich“ war auch in diesem Jahr wieder mit 10.000 Euro dotiert. Er ist bereits seit dem Jahr 1999 fester Bestandteil des Braunschweig International Film Festivals. Über die gesamte Festivalwoche konnte das Publikum abstimmen, welcher der Wettbewerbsfilme in diesem Jahr den begehrten Publikumspreis verliehen bekommt. Vorständin für Personal und Organisation bei Hauptsponsor Volkswagen Financial Services Dr. Alexandra Baum-Ceisig durfte das Geheimnis des Gewinnerfilms lüften: Die Wahl fiel auf THE FAMILY (Frankreich 2021) von Fabien Gorgeart. Per Videobotschaft sendeten er und Hauptdarsteller Gabriel Pavie einige Dankesworte in die Löwenstadt.

 

Der „Volkswagen Financial Services Preis“ sowie das damit verbundene Preisgeld von 10.000 Euro gingen in diesem Jahr an die Regisseure David Kapac und Andrija Mardešić. Ihr Film THE UNCLE überzeugte die Jury aufgrund des großartigen Schauspiels und des speziellen, surreal anmutenden Looks. Die berührende Geschichte des Familiendramas sei komplex, aber gelungen erzählt, ließ die Jury verlauten. Freudestrahlend nahm das Regie-Duo den Preis am Samstagabend im Staatstheater entgegen.

„EUROPA“-GEWINNERIN SENTA BERGER

Die verdiente Auszeichnung mit dem Preis Die EUROPA wurde der 81-jährigen Schauspielerin von niemand Geringerem überreicht, als ihrer Nichte Stella Maria Adorf. Wie ihr Name verrät, ist sie auch die Tochter von Starschauspieler Mario Adorf, der selbst im Jahr 2019 Die EUROPA erhielt. In ihrer emotionalen Laudatio berichtete Stella Maria von gemeinsamen Erlebnissen aus ihren Kindheitstagen: „Wieviele Wochenenden und herrliche endlose Sommertage habe ich bei Dir und Michael verbracht. [...] Das waren meine ‚wunderbaren Jahre‘. Manchmal warst Du gar nicht da, ‚die Senta dreht in America‘, ‚Die Senta ist noch in Wien, in Sorrent, in Rom, sie dreht mit dem Mario, deinem Papa!‘“, erinnert sie sich.

 

Senta Berger glänzte in über 100 Filmproduktionen, Theaterauftritten sowie Fernsehrollen und prägte die deutsche sowie internationale Filmlandschaft der vergangenen 60 Jahre wie kaum ein:e andere:r Vertreter:in des deutschsprachigen Films.

Ein Stück Filmgeschichte in der Löwenstadt: Die EUROPA wurde in diesem Jahr an die renommierte österreichische Schauspielerin Senta Berger für ihre Verdienste für die europäische Filmkultur vergeben. Im Werkstattgespräch ließ die Schauspielerin ihren Werdegang sowie ihre Arbeit als Schauspielerin Revue passieren und nahm anschließend ihre Ehrung bei der großen Preisverleihung im Staatstheater persönlich entgegen. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde wieder vom Hauptsponsor des Festivals Volkswagen Financial Services gestiftet.

In der Löwenstadt waren vom 7. bis 13. November 2022 rund 150 Gäst:innen der Branche zu Gast. Es wurden 246 Filme gezeigt. Insgesamt lag die Summe aller Preisgelder bei einem Rekordwert von 67.000 Euro.

VERLEIHUNG ZWEIER NEUER PREISE: QUEERER FILMPREIS „ECHT“ UND KURZFILMPREIS „Die EDDA“

Die erste Ehrung der diesjährigen Preisverleihung war zugleich eine Premiere: Zum ersten Mal wurde der neue Kurzfilmpreis „Die EDDA“ vergeben. Die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an Regisseurin Thi Dang An Tran für ihren Animationsfilm XANH (Deutschland 2022). In diesem reist die Tochter mit ihrem Vater in dessen Erinnerung zurück, als er einer der vietnamesischen Boatpeople war, und führen dabei ein Gespräch über Gewalt, Lebensbejahung und Identität.

 

Auch erstmalig verliehen wurde der Queere Filmpreis unter dem neuen Namen „ECHT“. Die mit 2.500 Euro dotierte Auszeichnung wird vom Verein für sexuellen Emanzipation e.V. gestiftet und von Mitteln des Queeren Netzwerkes Niedersachsen finanziert. Geehrt wird der beste Langfilm mit einer queeren Thematik. Den Anfang macht SO DAMN EASY GOING (Schweden, Norwegen 2022) von Christoffer Sandler. Leider konnte der Regisseur nicht persönlich zur Preisverleihung erscheinen, allerdings bedankte er sich per Videobotschaft für die Auszeichnung der Jury. Stellvertretend nahm der Pressesprecher des deutschen Filmverleihs Salzgeber, Dr. Christian Weber, die Preisstatue entgegen.

DOPPELTE AUSZEICHNUNG

Der Film THE ORDINARIES von Sophie Linnenbaum konnte gleich zwei Trophäen einheimsen – den „Heimspiel Preis“ sowie die „Kinema“. Die Tragikomödie überzeugte als bester Film mit regionalem Bezug und Hauptdarsteller:innen aus der Region: „Denise M‘Baye spielt, singt, tanzt und begeistert das Publikum mit all ihren Talenten in einem Film. THE ORDINARIES ist ein außerordentlicher Film, der zum Teil in Hannover gedreht wurde. Doch es ist vor allen Dingen Denise M‘Baye, die für die Verbundenheit mit der Region steht.“

Einheitliche Begeisterung herrschte auch bei der KINEMA-Jury, die aus sechs Jugendlichen aus der Normandie (Frankreich) und Niedersachsen bestand. Auch sie entschieden sich für die Tragikomödie THE ORDINARIES: „Die Handlung lässt uns in eine neue Welt voller Kreativität und Humor eintauchen, die uns von Anfang bis Ende fesselt. Die Tatsache, dass Paula im selben Alter ist wie wir, macht es uns leicht, eine Bindung zu ihr aufzubauen. Die Musik, die während des gesamten Films die Emotionen der Figuren und unsere eigenen beeinflusst, harmoniert mit der fließenden Kameraführung.“

BRAUNSCHWEIGER FILMPREIS FÜR PABLO CAPREZ

Eine alljährliche Herzensangelegenheit für das BIFF ist auch die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten „Braunschweiger Filmpreis“, der an den oder die beste:n deutschsprachige:n Nachwuchsschauspieler:in überreicht wird. In diesem Jahr ging er an Pablo Caprez: „SOUL OF A BEAST zieht uns mit seinem Setting, der wilden, apokalyptischen Abseite von Zürich und mit seinen wundervollen Schauspielern, allen voran Pablo Caprez ganz und gar in den Bann“, lässt die Jury verlauten. „Pablo Caprez lässt uns in jedem Moment tief in seine Seele schauen, gibt sich ganz und gar der Rolle hin. Wir sehen hier: Sturm und Drang, Liebe und Zärtlichkeit, Sucht, Verzweiflung und Freude! Alles dürfen wir hautnah miterleben! Dieser rebellische Gabriel ist eine Wucht und muss ausgezeichnet werden!“

DER GREEN HORIZONS AWARD

Themen rund um Umwelt und Nachhaltigkeit zu behandeln, ist aktuell dringlicher denn je. Durch den „Green Horizons Award“ des BIFF werden Sichtbarkeit und Raum für diesen so wichtigen Diskurs geschaffen. Die diesjährige Auszeichnung ging an DUTY OF CARE – THE CLIMATE TRIALS (Belgien 2022) von Nic Balthazar. Die Jury begründete: „Wir haben uns für einen Dokumentarfilm entschieden, in dem das Handeln einzelner Personen handfeste und weitreichende Resultate zeigt. Denn wir können nicht mehr auf Versprechungen warten, sondern brauchen Taten, die zu wirkungsvollen Veränderungen führen.“

FEMALE FILMMAKERS: AUSZEICHNUNG MIT DER „TILDA“

Nicht nur Preise wie der „Green Horizons Award“ sollen relevante Diskurse ins Scheinwerferlicht rücken – auch „Die TILDA“ soll ein wichtiges Zeichen in der Filmbranche und natürlich auch darüber hinaus setzen. Der mit 5.000 Euro dotierte Frauenfilmpreis wird von 75 Frauen aus der Braunschweiger Stadtgesellschaft gestiftet und ging in diesem Jahr an Floor van der Meulen für ihren Film PINK MOON. Jurorin Sophie Brakemeier skizziert: „Die diesjährige TILDA geht an einen Film, der einen beispiellosen Spagat zwischen einer höchst persönlichen Erzählung und der Auseinandersetzung mit einer kontroversen, aber sehr relevanten gesellschaftlichen Fragestellung schafft. Gleichzeitig erlaubt sie dem Film eine lebensnahe Prise von Humor und authentischer Leichtigkeit. Ein hervorragendes Ensemble, das die Regisseurin mit beeindruckender Schauspielführung anleitet, trägt diese Balance ebenso wie handwerklich einwandfreies und kunstvolles Kameraspiel und Sounddesign.“

SONDERVERANSTALTUNGEN 2022: Werkstattgespräche, Podiumsdiskussionen und Workshops

Zahlreiche Sonderveranstaltungen luden in diesem Jahr in neue und bekannte Spielorte ein: Das Eröffnungskonzert SAFETY LAST! Fand erstmalig im ASTOR Filmtheater statt; der Rote Saal im Schloss, das BZV Medienhaus sowie das theologische Zentrum Braunschweig luden zu gemeinsamen Podiumsgesprächen ein. Darüber hinaus waren im LOT-Theater die Filme des Kurzfilmwettbewerbs Die EDDA zu sehen und in der Michaeliskirche fand DIE! GOLDSTEIN presents DROWNED PARADISE – A LIVE CINEMA PERFORMANCE sowie das Sonderscreening zum Film MAMA BEARS statt.

Besonderen Besuch gab es vom britischen Regisseur Peter Strickland – einem der aufregendsten Vertreter des zeitgenössischen Arthouse. Die skurrile Filmreihe „At Midnight“ zeigte je fünf Kurz- und Langfilme des Filmschaffenden. Beim Werkstattgespräch im Roten Saal gab Strickland persönlich Einblicke in sein Werk.

Auch HBK-Dozent Michael Brynntrup war persönlich zu Gast und stellte sein Buch „Super 8“ zusammen mit seinen filmischen Werken vor.