07.11.2020

Die Preisträger des 34. Internationalen Filmfestival Braunschweig

+++ Publikumspreis „Der Heinrich“ für THE DAZZLED von Sarah Suco +++ Volkswagen Financial Services Filmpreis für I NEVER CRY von Piotr Domalewski +++ Green Horizons Award an Carsten Rau für ATOMKRAFT FOREVER +++ „Die TILDA“ an Charlène Favier für SLALOM +++ Heimspiel-Preis für RIVALE von Marcus Lenz +++ Braunschweiger Filmpreis an Schauspieler Tucké Royale

Die Gewinner des 34. Internationalen Filmfestival Braunschweig stehen fest! Der Publikumspreis „Der Heinrich“ geht an die französische Regisseurin Sarah Suco für „The Dazzled“. Den Volkswagen Financial Services Filmpreis verleiht die Jury an den polnischen Regisseur Piotr Domalewski für sein coming-of-age-Drama „I never cry“. Beide Preise unterstützt der Hauptsponsor des Festivals mit jeweils 10.000 Euro.
Zudem sprach die Jury für „Mosquito“ von Regisseur João Nuno Pinto sowie für „Cat in the Wall“ von Mina Mileva und Vesela Kazakova zwei lobende Erwähnungen aus.

Den mit 5.000 Euro dotierten Frauenfilmpreis „Die TILDA“ erhält die französische Regisseurin Charlène Favier für ihr Sportlerinnendrama „Slalom“. Der mit 4.000 Euro dotierte Braunschweiger Filmpreis geht an Schauspieler Tucké Royale für seine Darstellung des Markus in „Neubau“ von Johannes Maria Schmit. Der mit 2.500 Euro dotierte „Green Horizons Award“ für den besten Film zum Thema Nachhaltigkeit geht an Carsten Rau für „Atomkraft forever“. Der Heimspiel-Preis für den besten Film mit Bezug zur Region gewinnt der in Braunschweig gedrehte „Rivale“ von Marcus Lenz. Das Preisgeld von 1.000 Euro stiftet Volkswagen Financial Services.

Der Gewinner des deutsch-französischen Jugendpreises KINEMA wird erst in der nächsten Woche ermittelt werden. Insgesamt vergab das 34. Internationale Filmfestival Braunschweig bei seiner ersten Online-Ausgabe sieben Preise im Gesamtwert von 33.500 Euro.

Publikumspreis „Der Heinrich“: „The Dazzled“ von Sarah Suco
Den Publikumswettbewerb um den besten europäischen Debüt- oder Zweitfilm gewinnt die französische Regisseurin Sarah Suco mit „The Dazzled“ (Originaltitel: Les Éblouis), eine Geschichte über das Aufbegehren der 14-jährigen Camille, deren Familie immer stärker unter den Einfluss einer religiösen Gemeinschaft gerät.
Den mit 10.000 Euro dotierten Preis stiftet der Hauptsponsor des Festivals, Volkswagen Financial Services. Das Preisgeld geht zu gleichen Teilen an die Regisseurin und einen deutschen Verleih. Der Gewinnerfilm wurde erstmals mit einer Online-Abstimmung ermittelt.

Volkswagen Financial Services Filmpreis: „I never cry“ von Piotr Domalewski
Preisträger des Volkswagen Financial Services Filmpreises mit einem Preisgeld von 10.000 Euro ist „I never cry“ von Piotr Domalewski. „Wir haben uns in eine coming-of-age Story verliebt, die das Schicksal der Arbeitsmigranten in Europa durch die Augen einer wütenden Tochter in Frage stellt. Für seine mitfühlende und sehr persönliche Sicht, seine sensible Regieführung und das wundervolle Spiel seiner Hauptdarstellerin, für sein Gefühl und Mitgefühl zu seinem Außenseiter-Personal, verleihen wir den Volkswagen Financial Services Award mit großer Begeisterung an „I never cry“ von Piotr Domalewski, einen Regisseur auf dessen nächsten Spielfilm wir sehnlichst warten“, urteilte die Jury mit der georgischen Regisseurin Mariam Khatchvani, dem französischen Regisseur Morgan Simon und Dr. Frank Woesthoff, Leiter Unternehmenskommunikation Volkswagen Financial Services AG.

Außerdem sprach die Jury zwei lobende Erwähnungen aus. Die erste geht an den portugiesischen Regisseur João Nuno Pinto und seinen Film „Mosquito“ „für seine cineastischen Ehrgeiz, eine Fabel über die Kolonisation Afrikas durch die Augen eine portugiesischen Soldaten zu drehen“.
Die zweite lobende Erwähnung geht an „Cat in the Wall“ von Mina Mileva und Vesela Kazakova. An der bulgarisch-britisch-französische Produktion gefiel der Jury, „wie der Film die soziale Frage der britischen Arbeiterklasse in Großbritannien in Angriff nimmt und beschreibt, was uns über alle kulturellen Grenzen hinweg zusammenbringt.“

„Die TILDA“ für Charlène Favier für „Slalom“
„Die TILDA“, den mit 5.000 Euro dotierten Frauen-Filmpreis, gewinnt „Slalom“ von Charlène Favier.
Das Statement der Jury:
„Der Debütfilm „Slalom“ der französischen Regisseurin und Drehbuchautorin Charlène Favier zeigt einfühlsam, vielschichtig und überzeugend die perfiden Mechanismen auf, die hinter Missbrauch stecken – hier am Beispiel eines Skitrainers und seiner 15-jährigen Schülerin.
Die Machtposition des Erfolgstrainers, der die junge Frau mit einer Mischung aus Druck, Kritik, Lob und Bevorzugung an sich bindet; die Unsicherheit der Pubertierenden, die aufgrund ihrer abwesenden Mutter und einer fehlenden Vaterfigur besonders empfänglich für männliche Anerkennung ist, was sie scheinbar Grenzüberschreitungen akzeptieren lässt; die Unterstellung einer (Mit-)Verantwortung der jungen Frau für das übergriffige Geschehen.
Die fast schon märchenhaften Schneeszenen zeigen, wonach die Jugendliche sucht, doch was sie findet, sind nicht Schönheit und Harmonie der Liebe, sondern sexuelle Ausbeutung, an der sie fast zerbricht. Als sie beim Erreichen ihres Traumes, dem Sieg im Skirennen, statt Freude nur Leere empfindet, gelingt es ihr mit dem Rückhalt ihrer Freundin und ihrer Mutter, sich von ihrem Trainer loszusagen und den Missbrauch zu beenden. Die subtile Dramaturgie, die Kameraführung mit ihrer Nähe zur Hauptfigur, die beeindruckende Schauspielleistung und die emanzipatorische Botschaft zeichnen diesen Film aus.“

Die Jury bildeten Prof. Heike Klippel (HBK Braunschweig), Borjana Gaković (Bundesverband Kommunale Filmarbeit), Kirsi Liimatainen (Regisseurin und Schauspielerin) sowie die beiden Stifterinnen Margrit Lang und Dr. Wiebke Westermeyer. Mit dem Preis verfolgen die 65 Stifterinnen aus Braunschweig das Ziel, filmschaffende Frauen in ihrer Diversität sichtbar zu machen.

„Braunschweiger Filmpreis“ für die/den beste/n Nachwuchsschauspieler/in an Tucké Royale für seine Darstellung des Markus in „Neubau“
Der Schauspieler Tucké Royale gewinnt den „Braunschweiger Filmpreis“ 2020 für seine Darstellung des Markus in „Neubau“ von Regisseur Johannes Maria Schmit.
Die Jury bildeten Schauspielerin Anna Suk, Schauspieler Julius Feldmeier und Preisstifter Klaus Buhlmann. Sie urteilten: „‚Neubau‘ ist ein queeres uckermärkisches Gesamtkunstwerk. In ruhigen minimalistischen Einstellungen liegt die besondere Kraft dieses Films von gesellschaftlicher Relevanz. Beherrscht von Pflicht- und liebendem Mitgefühl spiegelt die Hauptfigur Markus oft große Traurigkeit und Melancholie, wenn er die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und freier Entfaltung seines Lebensgefühls in Tagträumen auslebt.
Tucké Royale gelingt es, Markus glaubwürdig mit einer großen Gelassenheit auszustatten, die uns gefangen nimmt und eine Empathie erzeugt, die noch lange nachwirkt. Wir sind uns einig: Bitte mach weiterhin Filme Tucké!“
Den Braunschweiger Filmpreis stiftet eine Gruppe von Braunschweiger Filmfreunden.


Green Horizons Award für „ATOMKRAFT FOREVER“ von Carsten Rau
Der „Green Horizons Award“ 2020 für den besten Dokumentarfilm zum Thema Nachhaltigkeit geht an „Atomkraft Forever“ von Carsten Rau.
Das Statement der Jury: „Die Jury zeichnet diesen bewundernswert gedrehten und geschnittenen Film für seine ruhige und unparteiische Herangehensweise aus, mit der er die schwierigen Probleme der entgegengesetzten Atomenergiestrategien in Deutschland und Frankreich beleuchtet.
Einblicke in äußerst schwierig zugängliche zentrale Orte der Atomindustrie beider Länder, sowie eine Vielzahl von Expertenstimmen – aus technischer, ökonomischer und politischer Perspektive – ermöglichen es dem Betrachter die Vor- und Nachteile der französischen und deutschen Atompolitik abzuwägen. Auf vorurteilsfreie Weise lässt der Regisseur starke Stimmen auf allen Seiten zu Wort kommen, Kernkraftbetreiber ebenso wie Vertreter der Öffentlichkeit. Sein Film lädt dazu ein, uns eine eigene Meinung über eines der wichtigen und komplexen Probleme unserer Zeit zu bilden.

Besondere Erwähnung der Jury findet Deia Schlosbergs Film „The Story of Plastic“ für seine „Eleganz, Klarsicht und Überzeugungskraft“.
Die Jury bildeten der französische Regisseur Martin Boudot (Gewinner des Green Horizon Awards 2019), Wolfgang Saam (deutscher Geschäftsführer des Klimaschutzunternehmen e.V., Berlin) und der britische Autor und Kritiker Mark Le Fanu.

„Rivale“ von Marcus Lenz gewinnt den „Heimspiel-Preis“ für den besten Film mit Bezug zur Region
Die „Heimspiel“-Jurorinnen Angela Kleinhans (Leitung Sponsoring, Volkswagen Financial Services AG), Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss (Gewinnerin des Heimspiel- und des Frauenfilmpreises „Die TILDA“ 2019) und Regisseurin und Schriftstellerin Kristina Schippling vergaben mit 1.000 Euro dotierten „Heimspiel“-Preis an das Filmdrama „Rivale“ von Marcus Lenz.

Die Jury zeigte sich überrascht von der „nahezu magischen Authentizität seiner DarstellerInnen, die vom Regisseur Marcus Lenz herausgearbeitet wird. Gekonnt werden aktuelle politische Themen anhand eines erzählten Familienschicksals aus der sensibel gestalteten Perspektive eines ukrainischen Jungen, der seiner in Deutschland illegal arbeitenden Mutter folgt, beleuchtet. Der Film fesselt durch seine teils provokante und ungewöhnliche Bildsprache. Mit Originalität und Ausdrucksstärke wird die Landschaft Niedersachsens als Kulisse eingesetzt.“

Die Jury spricht zudem Victor Gütay, dem achtzehnjährigen Filmemacher aus Gifhorn, mit seinem Independent-Film „Mein Schatten über mir“ eine lobende Erwähnung aus.
Gütay erweist sich als beeindruckendes Multitalent und hat als Regisseur, Produzent, Kameramann, Drehbuchautor, Editor und Komponist in seiner Vielschichtigkeit und sensiblen Erzählweise ein außergewöhnliches Debüt geschaffen. Die Jury ermutigt mit der lobenden Erwähnung den Weg als Filmemacher weiterzugehen.
Den „Heimspiel“-Preis unterstützt Volkswagen Financial Services.

Das Festival plant, die Vorstellung der Gewinnerfilme im Frühjahr 2021 im Kinosaal mit den Preisträger*innen vor Ort nachzuholen, sobald die Pandemiesituation solche Veranstaltungen wieder verlässlich zulässt.

Hier die Pressemeldung zum Download